top of page

Gemeinsam Ärmel hochkrempeln und gegen Baumängel ankämpfen

Schimmel im Neubau – obwohl die Berechnung keinen Befall zeigte.

  • Autorenbild: René Graf
    René Graf
  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit

🔍

Ein Fall aus meiner Gutachterpraxis, der zeigt, warum Rechnung und Realität auseinanderfallen können.


Das Objekt: ein neueres Mehrfamilienhaus.

Der Befund: Schimmelsporen im Deckputz der Innenecken. Der erste Blick auf die Zahlen war verblüffend.


→ U-Wert: 0,173 W/(m²K) – rechnerisch einwandfrei

→ Isothermenberechnung: minimale Innenoberflächentemperatur ~18 °C

→ Diffusionstechnische Bewertung nach DIN 4108-3: zulässig


Die Konstruktion hätte schimmelfrei sein müssen.

War sie aber nicht.

Was hat die Messung vor Ort gezeigt?


Die Infrarotmessung deckte das eigentliche Problem auf: In den betroffenen Ecken lag die gemessene Oberflächentemperatur bei nur 14,5 °C – statt der berechneten 18–19 °C.

Ein Delta von fast 4 Grad. Genug, um unter den kritischen Taupunkt zu fallen.


Mir ist bewusst, dass bei 14,5 °C Oberflächentemperatur und normaler Raumfeuchte noch kein Schimmel zu erwarten ist. Weicht dieser Wert jedoch bereits deutlich von der Berechnung ab, ist die Gefahr sehr wohl gegeben. Dies insbesondere deshalb, weil ich die Messung nicht bei maximal tiefen Aussentemperaturen vorgenommen habe. Im Winter sinkt die Oberflächentemperatur unter solchen Bedingungen erfahrungsgemäss deutlich weiter und damit ohne Weiteres unter die kritische Grenze von 12 °C.


Die Interne Laboranalyse bestätigte Schimmelsporen im Deckputz, nicht im Grundputz. Das ist ein wichtiger Hinweis:

Bei einer Aussenleckage wären die Sporen tiefer eingedrungen. Der Treiber liegt innen – konkret im Bereich der Wärmedämmung am Boden-Wand-Übergang.


Erste Bauteilöffnung vor Ort zeigte:

  • XPS-Dämmung nicht lückenlos montiert.

  • Offenzelligen Bauschaum im Dämmbereich entdeckt.

  • Noppenbahn vorhanden, aber zu tief verlegt.


Was mich an diesem Fall beschäftigte: Die Konstruktion war auf dem Papier korrekt. Der Fehler lag in der Ausführung – und war ohne Berechnungen, Messung, Labor und Endoskopie nicht sichtbar. Im Weiteren musste ich meinen Ausführungen vertrauen und den Aushub entfernen lassen. Hätte ich nicht Recht gehabt, wäre dies für mich eher peinlich gewesen.


Genau dafür braucht es den unabhängigen Gutachter. Nicht erst wenn der Schimmel die Wand bedeckt.


Haben Sie schon Fälle erlebt, bei denen Berechnung und Realität so weit auseinandergefallen sind?




 
 
 

Kommentare


bottom of page