đȘ” Holz verrottet nicht einfach so....
- René Graf

- vor 18 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Holz verrottet, weil die falschen Entscheide getroffen werden.
In meiner Gutachterpraxis sehe ich es regelmĂ€ssig: Holzkonstruktionen, die nach 5 bis 10 Jahren versagen â nicht wegen schlechter MaterialqualitĂ€t, sondern wegen fehlender oder falsch geplanter Holzschutzstrategie.
Die Lignum-Systematik zeigt, wie es geht:
â Gebrauchsklassen GK 0â4Â definieren die Beanspruchung. Wer nicht weiss, in welcher Klasse sein Bauteil liegt, kann keinen wirksamen Schutz planen. GK 0 bedeutet trocken und geschĂŒtzt â GK 4 bedeutet dauerhafter Erdkontakt. Der Unterschied ist nicht graduell, er ist grundlegend.
â Baulicher Holzschutz hat absolute PrioritĂ€t. Ăberstand, EntwĂ€sserung, HinterlĂŒftung, Abstand zum Erdreich â diese Massnahmen entscheiden ĂŒber Jahrzehnte. Wer hier spart, zahlt spĂ€ter mit Substanzverlust.
â Physikalischer Holzschutz ist die zweite Verteidigungslinie â und wird in der Praxis systematisch unterschĂ€tzt. Holz nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab. Dieser Zyklus ist unvermeidlich. Entscheidend ist, wie schnell die Abtrocknung erfolgt. Eine Konstruktion, die Feuchtigkeit hĂ€lt, schafft optimale Bedingungen fĂŒr Pilzbefall â selbst wenn das Holz chemisch behandelt wurde. WĂ€rmedĂ€mmung, Dampfbremse und BelĂŒftungsebene mĂŒssen so abgestimmt sein, dass der Holzfeuchtegehalt dauerhaft unter 20% bleibt. Oberhalb dieses Wertes beginnt der biologische Abbau.
â Chemischer Holzschutz ist kein Freifahrtschein. Er ersetzt keine konstruktive und physikalische Planung. Er ergĂ€nzt sie â und nur dort, wo bauliche Massnahmen nachweislich nicht ausreichen.
â Sanierung ist möglich â aber nur, wenn der Schaden frĂŒh erkannt wird. Das Lignum-Flussdiagramm zur Instandsetzung zeigt es klar: Jede Verzögerung vergrössert den Schaden exponentiell. Was heute eine Teilsanierung ist, wird morgen ein Totalersatz.
Was ich in Gutachten immer wieder festhalte: Die Gebrauchsklasse wurde nie schriftlich vereinbart. Weder im Werkvertrag noch im Planungsauftrag. Und der physikalische Nachweis â Holzfeuchte, Trocknungsreserve, Kondensatrisiko â fehlt in den AusfĂŒhrungsunterlagen vollstĂ€ndig.
Das ist kein BagatellversÀumnis. Das ist ein Planungsfehler mit direkten Haftungsfolgen.

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