Undicht trotz normgerechter Abdichtung...
- René Graf

- vor 15 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
đȘš Kiesstreifen am Sockel â eine unterschĂ€tzte Schadensursache
Letzte Woche: Begutachtung eines Mehrfamilienhauses. Sockelfeuchtigkeit, durchnĂ€sste InnenwĂ€nde im Erdgeschoss, PutzschĂ€den ĂŒber mehrere Geschosse.
Der erste Blick ins Protokoll: Abdichtung nach SIA 271 ausgefĂŒhrt, alles korrekt dokumentiert. Trotzdem SchĂ€den.
Ursache nach eingehender Analyse: ein einfacher Kiesstreifen entlang der Fassade.
Klingt harmlos. Ist es nicht.
â ïž Was in der Praxis systematisch unterschĂ€tzt wird
Kiesstreifen setzen sich mit der Zeit. HĂ€ufig werden sie unterseitig durch Auflagen verschlossen. Niederschlagswasser lĂ€uft nicht mehr ab â es staut sich auf.
Sind dabei die falschen Wassereinwirkungsklassen vereinbart worden, ist das betreffende Bauteil fĂŒr stauendes Wasser schlicht ungeeignet. Feuchtigkeit infiltriert â und zwar selbst bei Bauwerken, die das zehnte Standjahr noch nicht erreicht haben.
Stauwasser bis ca. 10 cm WassersÀule kann an Sockelzonen auftreten.
Das Ergebnis: Druckwasser, das die Bauteile an ihrer schwĂ€chsten Stelle ĂŒberbeansprucht.
đ Was die Norm tatsĂ€chlich verlangt
Die massgebenden Dichtigkeitsklassen 1â4 (vollstĂ€ndig trocken bis feucht/nass tolerierend) sind in der SIA 272 «Abdichtungen und EntwĂ€sserungen von Bauten unter Terrain und im Untertagbau» geregelt.
GemĂ€ss Norm ist die Wassereinwirkungsklasse projektspezifisch festzulegen â auf Basis einer sorgfĂ€ltigen Analyse der geohydraulischen Situation vor Ort. Das ist keine Formalie. Das ist ein planungsrechtlich verbindlicher Schritt.
Die Erkenntnis ist nicht neu: Bereits die DIN 4095:1990 hielt unmissverstÀndlich fest, dass Kiesstreifen Stauwasser nicht dauerhaft verhindern.
Entscheidend ist allein die GelĂ€ndeneigung â vom GebĂ€ude weg.
âïž Die haftungsrechtliche Konsequenz
Wer die GelĂ€ndegestaltung nicht prĂŒft und pauschal «Bodenfeuchte» annimmt, riskiert im Schadensfall ein erhebliches Planerhaftungsrisiko. Wer hingegen die Wassereinwirkungsklasse ĂŒberdimensioniert, belastet den Bauherrn unnötig.
Beides ist vermeidbar â durch normkonforme Planung von Anfang an.
đ Mein Fazit aus dem Fall
Die Abdichtung war normgerecht. Das GelÀnde nicht.
Planungsfehler entstehen nicht immer an der Abdichtungsebene selbst â sondern davor: bei der Wassereinwirkungsklasse, bei der GelĂ€ndeanalyse, bei der Koordination zwischen Planung und AusfĂŒhrung.
Haben Sie Ă€hnliche FĂ€lle erlebt, bei denen die eigentliche Schadensursache ausserhalb der Abdichtungsebene lag? Ich freue mich auf den Austausch. đ
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